Bildung

Vielen Menschen im Emsland ist mein Name im Bereich der Bildung, vor allem im Kampf um die Einrichtung einer Förderschule für die geistige Entwicklung(GE), ein Begriff. Basierend auf dem Bundesteilhabegesetz wurde deutschlandweit seinerzeit die Abschaffung von Förderschulen hin zu einem inklusiven Schulsystem gefordert. Niedersachsen hatte unter Führung der CDU seinerzeit die schrittweise Abschaffung der Förderschulen Lernen durchgesetzt. 

Mehr schlecht als Recht ist dieses Vorhaben nun weitestgehend umgesetzt, allerdings verbunden mit einer deutlichen Mehrbelastung der Lehrkräfte. Mir persönlich wäre eine grundlegende Umstellung des Schulsystems, angelehnt an heilpädagogische Grundsätze, sehr viel lieber. Generell eine kleinere Klassenstärke von max. 15 Kindern, dazu eine zweite pädagogische Kraft in jeder Unterrichtsstunde, hätte eine sicherlich bessere Grundlage zur Auflösung der Förderschulen und Inklusion aller Kinder in das Regelschulsystem bedeutet. Eine Lösung, die allen Kindern gerecht werden würde, egal ob mit oder ohne kognitiven oder/und körperlichen Einschränkungen. Aber die Inklusion von Menschen mit Behinderungen lässt sich nicht mit Gewalt durchsetzen, sie ist ein Prozess, der von der Politik gestaltet und gleichzeitig von der Gesellschaft getragen werden muss. Das eine ohne das andere geht nicht. Und beides braucht Zeit.

Im Emsland haben wir die besondere Situation, dass es hier keine Förderschule GE gibt. Die Kinder und Jugendlichen mit geistigen Einschränkungen, also einem IQ unter 70, werden hier in Tagesbildungsstätten auf das Leben vorbereitet, zwar angebunden an das Kerncurriculum für Förderschulen GE, aber als Einrichtung der Eingliederungshilfe, dem Sozialministerium unterstehend. Eine Schule gehört in den Verantwortungsbereich des Kultusministeriums, dort stellen voll ausgebildete Lehrer, die auch eine zweijährige Referendariatszeit durchlaufen mussten, das Lehrpersonal, unterstützt von Heil- und Sonderpädagogen. In Niedersachsen steht den Eltern das Wahlrecht zu, in welche Schule bzw Schulform sie ihre Kinder gehen lassen wollen. Eltern von Kindern mit geistiger Behinderung haben dieses Wahlrecht hier im Emsland nur insofern, als dass sie sich für die inklusive Beschulung ihrer Kinder in einer Regelschule oder in einer Tagesbildungsstelle entscheiden können. Also, entweder Regelschule (mit allen weiteren Herausforderungen, denn das Kind muss sich dort dem bestehenden Schulsystem unterordnen, ohne dass wirklich gut auf die Befürfnisse oder Leistungsfähigkeit des Kindes eingegangen werden kann) oder eine Beschulung in einer Einrichtung des Sozialministeriums, mit allen weiteren rechtlichen Konsequenzen. Die Einrichtung einer Förderschule GE würde die Inklusion der Kinder mit geistiger Einschränkung in das Schulsystem bedeuten. Ein Schritt, der hier längst überfällig ist. Diesem würde dann zwangsläufig auch die inklusive Betreuung in Horten nach sich ziehen, und damit ein Meilenstein in Richtung Inklusion bedeuten. Denn eine Gesellschaft wächst am besten zusammen, wenn Kindern von Anfang an die Fähigkeit gelassen wird, alle als gleich(berechtigt) anzusehen. Insofern ist also auch die frühkindliche Bildung generell inklusiver zu gestalten.

Doch noch einmal zurück zum Bildungswesen. Die Corona-Pandemie hat die Frage nach Luftfilteranlagen in den Bildungseinrichtungen, vor allem in den allgemein bildenden Schulen, aufgeworfen. Von Seiten der Industrie wurden stationäre und mobile Geräte auf den Markt gebracht, die Kostenübernahme war Sache der jeweiligen Schulträger. Eine einheitliche Richtlinie ist hier wünschenswert, aber ein großer Kostenfaktor. Elternräte fordern die feste Installation der Luftfilteranlagen, was ich nur befürworten kann. Denn was heute Corona ist, kann in einiger Zeit schon wieder ein ganz anderer Krankheitserreger sein. Wir sollten die Forderung nach stationären Luftfilteranlagen aufrecht erhalten und Betriebe fördern, die an der Entwicklung und Produktion kostengünstiger Geräte beteiligt sind.

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